Verstanden werden – Anleihen aus dem Flugfunk

Der Winter eine gute Jahreszeit für Privatpilotinnen (Männer sind mitgemeint), Wissen aufzufrischen und in Fachzeitschriften zu stöbern. Dieses Wochenende habe ich mir einen Beitrag übers Funken vorgenommen. Der erste Satz: „Kommunikation – das heißt vor allem, dass der Empfänger inhaltlich versteht, was der Sender ihm sagen will“.  Eine scheinbar banale Aussage. Lässt man den Satz nachklingen, eröffnet sich ein beachtlicher Bedeutungsraum: Inhaltlich verstehen, was der Sender sagen will. Wow. Damit verdiene ich zum großen Teil mein Geld… Zu verstehen, was der andere sagen will, ist Gegenstand vieler Team-Coachings, vieler Erkundungen im Einzel-Coaching. Neben Lebenszweck und Purpose, Vision und Strategie geht häufig um: Was hat der andere gemeint? Worauf will er/sie hinaus? Aber auch: Wie sag ich´s richtig? Wie sage ich´s passender? Verstehen wir alle das gleiche unter dem, was wir vereinbart haben? Oder explizit: Was müssen und wollen wir in Bezug auf unsere Kommunikation festlegen, nachdem wir gemerkt haben, dass es in der Besprechung der Geschäftsleitung wieder einmal durcheinandergegangen ist und wir im Flurgespräch verschiedene Ansichten darüber haben, was genau – und ob überhaupt – entschieden wurde.

Beim Flugfunk ist es einfacher: Festgelegte Verfahren dienen dazu, klar zu kommunizieren, wo jede Pilotin im Luftraum gerade ist und was sie als nächstes tun wird. Auf diese Kommunikation haben sich alle verständigt. So entsteht Sicherheit, die klare und einzige Intention des Flugfunks. Die Intention der Kommunikation: Ein wesentlicher Ausgangspunkt von allem, was wir sagen. Häufig ist es uns gar nicht so bewusst klar, was wir mit dem Gesagten beabsichtigen. Denn im Berufsalltag vermischen wir den Inhalt oft mit anderen, auch unbewussten Intentionen: Status, Selbstausdruck, ungefilterter Gedankenfluss, Beziehungsäußerung, Durchsetzungswille. Die Frage „Hat mich der Empfänger inhaltlich verstanden?“ wird vorausannehmend bejaht. Die Folge: Missverständnisse und Verwirrung, häufig eskalierend. Eine Funkregel könnte helfen: Bevor ich den Funkknopf drücke, überlege ich mir genau, was ich fliegerisch will und wie der Funkspruch lautet. Ich will sicher sein, verstanden zu werden.

Auch im Berufsalltag lohnt es sich, sich bewusst zu fragen: Versteht der Empfänger, was ich inhaltlich sagen will?  Wie erkenne ich das?

Beim Flugfunk geht das so: Der Empfänger muss, so legen es die Funkregeln fest, bestimmte Inhalte exakt wiederholen. „Zurücklesen“ heißt das. In den Berufsalltag übersetzt: Das Gegenüber bitten, zusammenzufassen, was er/sie verstanden hat (auch „backtracking“ oder „paraphrasing“ genannt). Das ist häufiger möglich, als man glaubt. Und  sehr nützlich.

Wie auch beim Funken stellt man fest, was nicht oder falsch rübergekommen ist und kann es klären. Probieren Sie es nächste Woche doch einfach mal aus: „Um sicher zu sein, dass ich mich klar ausgedrückt habe: Könnten Sie bitte kurz zusammenfassen, was Sie verstanden haben?“ oder „Darf ich kurz wiederholen, was ich gehört habe, um sicher zu sein, dass wir beide von den gleichen Voraussetzungen ausgehen?“
Jetzt sind Sie dran. Roger?

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Veränderungskompetenz: Die Wunderfrage

In meinem Interview mit Birgit Schürmann zum Thema Rhetorik und Coaching (Hier geht’s zum Podcast) wird die Wunderfrage erwähnt. Die Wunderfrage ist eine höchst effektive Fragetechnik aus der lösungsfokussierten Beratung. Sie wurde von dem Begründer der Kurzzeitberatung, Steve de Shazer, entwickelt und von Insa Sparrer, Mitbegründerin des Syst-Instituts für systemische Ausbildung, Fortbildung und Forschung in München, weiterentwickelt. Möchten Sie sie ausprobieren? Dann setzen Sie sich bequem hin. Sind Sie bereit?

Es geht los:

Wählen Sie eine Frage, ein Anliegen, ein Problem, eine Herausforderung, eine Situation, die Sie meistern wollen. Vielleicht müssen Sie als Unternehmer oder Unternehmerin eine weitreichende Entscheidung treffen, oder Sie müssen eine schwierige Situation mit einem Geschäftspartner oder einem Mitglied des Vorstands lösen. Oder es läuft in der Familie gerade überhaupt nicht rund… Haben Sie sich für ein Anliegen entschieden?

Ich werde Ihnen jetzt eine ganz merkwürdige Frage stellen, eine wirklich seltsame und ungewöhnliche Frage, die Sie möglicherweise erstaunen wird, vielleicht auch irritieren oder ärgern. Es ist, wie gesagt, eine merkwürdige Frage.

Ich bitte Sie, diese Frage einfach auf sich wirken zu lassen, ganz entspannt, wie ein Experiment… Sie langsam zu lesen und einfach in Gedanken dem Text zu folgen, wie einem Pfad in der Natur, den man noch nicht kennt und den man neugierig weiter und weiter geht, und sich überraschen lässt, was es hinter einer Wegbiegung Neues zu entdecken gibt…

Und einmal angenommen… heute Abend verbringen Sie den Abend wie gewohnt, oder vielleicht auch anders als sonst, weil Sie etwas Besonderes vorhaben… Irgendwann ist der Abend zu Ende… Sie bereiten sich darauf vor ins Bett zu gehen… Sie tun, was Sie immer am Abend tun, bevor Sie ins Bett gehen, oder vielleicht machen Sie auch etwas anders als sonst, Sie tun einfach, was Sie tun…

Sie verbringen Zeit im Badezimmer. Sie putzen sich die Zähne. Sie legen Ihre Kleidung ab, Sie waschen sich, Sie schauen in den Spiegel, Sie hängen das Handtuch auf. Sie machen, was Sie machen…

Sie bereiten sich darauf vor, ins Bett zu gehen. Vielleicht sind Sie sehr müde. Vielleicht ist es auch nur der Zeitpunkt, an dem Sie für gewöhnlich ins Bett gehen…

Irgendwann legen Sie sich ins Bett, decken sich zu, vielleicht rücken oder schütteln Sie das Kissen zurecht, legen vielleicht Ihre Brille ab oder ein Buch aus der Hand… und irgendwann löschen Sie das Licht und schlafen ein… Vielleicht nicht sofort, vielleicht erst nach einer Weile, irgendwann schlafen Sie.  Sie schlafen tief oder rollen sich ab und zu von Seite zu Seite… Vielleicht lässt Sie Ihr Thema nicht los oder vielleicht schlafen Sie auch tief und fest, vielleicht träumen Sie. Es wird später und später… 1:00 Uhr, 2:00 Uhr, 3:00 Uhr… und Sie schlafen… Sie schlafen… manchmal bewegen Sie sich vielleicht im Schlaf…  schlafen… schlafen tief… haben Träume… schlafen traumlos… Es wird 3:00 Uhr und 4:00 Uhr und 4:30 Uhr… und irgendwann… tief in der Nacht, so tief, dass Sie es nicht mitbekommen, da Sie ja schlafen, tief oder weniger tief, traumlos oder träumend… Sie sind einfach damit beschäftigt zu schlafen oder zu versuchen zu schlafen… Und einmal angenommen, irgendwann in der Nacht, tief in dieser Nacht, passiert etwas Besonderes, etwas Ungewöhnliches. Etwas, das alle Ihre Themen, alles, was Sie zuvor beschäftigt hat, löst. Alles ist gelöst. Das wäre ja fast wie ein Wunder, nicht wahr?…
Weil Sie schlafen, merken Sie nicht, dass sich durch dieses ungewöhnliche Ereignisse alles gelöst hat.
Sie wachen am Morgen auf, ohne es zu wissen. Und einmal angenommen, alles ist am nächsten Morgen gelöst, ohne dass Sie es wissen…

Woran erkennen Sie und wann, dass alles gelöst ist?
Was ist anders als zuvor?
Beschreiben Sie genau, woran Sie die Veränderung erkennen, erkennen, dass sich alles gelöst hat. Was ist anders?
Und was noch?
Und was noch?…

Wer außer Ihnen würde noch erkennen, dass alles anders ist und alles gelöst ist? Woran würde es Ihr Geschäftspartner erkennen? Ihr Kollege?
Ihre Geschäftspartnerin? Ihre Kunden? Woran würden Ihre Mitarbeiter es erkennen und Ihre Mitarbeiterinnen?
Würde Ihr Ehepartner es erkennen? Wer in Ihrer Familie würde es noch woran erkennen?
Und woran noch?
Und woran noch?…

Beschreiben Sie so genau wie möglich, woran Sie erkennen, dass alles gelöst wäre. Wie gesagt, es wäre fast wie ein Wunder… Und Sie wissen ganz genau, woran Sie es erkennen würden.

Lassen Sie sich Zeit zu überlegen, woran Sie erkennen werden, dass alles gelöst ist. Einfach einmal angenommen, das wäre so. Ein Gedankenexperiment, auch wenn es Ihnen merkwürdig oder unwahrscheinlich scheint, seien Sie neugierig darauf, was anders ist, wenn auf wundersame Weise alles gelöst ist… Vielleicht schreiben Sie auf, woran genau Sie den Unterschied erkennen. Beschreiben Sie es so genau wie möglich auf.

Manchmal driften Sie vielleicht ab, zurück zu der Zeit, als es noch nicht gelöst war, und grübeln darüber nach. Sobald Sie das bemerken, erinnern Sie sich wieder daran, dass wir einfach einmal annehmen, alles wäre gelöst.
Also angenommen, alles wäre gelöst, was wäre dann noch anders?
Beschreiben Sie alles ganz genau.

Wenn Sie damit fertig sind, also wirklich damit fertig sind, dann überlegen Sie, welches der erste Schritt in Richtung dieses Zustands wäre, in dem alles gelöst sein könnte.

Wann gehen Sie jetzt diesen ersten Schritt?

Nun recken und strecken Sie sich nach diesem inneren Ausflug.

Lassen Sie sich überraschen, was Sie für Veränderungen bemerken werden
Achten Sie besonders auf Veränderungen.

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