Die Jogi-Löw-Methode

Fast jeder Vorstandsvorsitzende und jede Geschäftsführerin hat sich wohl schon gefragt, wie er bzw. sie aus einer Gruppe hochqualifizierter und persönlich ehrgeiziger Individuen ein erfolgsschwingendes Hochleistungsteam formt.

Jogi Löw, in seiner Rolle als Team-Coach der Nationalmannschaft, hat diese Frage heute im Deutschlandfunk für seine Nationalmannschaft im Südtiroler Trainingslager auf Jogi-Löw-Weise beantwortet: „Das muss ich als Trainer schaffen, jedem Spieler irgendwie das Gefühl zu geben, er hat ’ne Aufgabe, er ist dabei, er spielt ’ne wichtige Rolle. Er hat für das Team ’ne wichtige Rolle. Und Spieler, die ihr eigenes Ego einfach auch manchmal ein bisschen zurücknehmen, das große Ganze immer irgendwie im Blick haben. Und wenn das jeder macht und jeder tut, mit diesem Respekt eben auch mit dem anderen umgeht, dann ist das Team eigentlich schon mal irgendwie im Laufen.“

Löw bringt wesentliche Aspekte gelungener Teamentwicklung auf den Punkt:

  1. Wertschätzung, Zugehörigkeit, Bedeutung.

Menschen wollen gesehen werden, wichtig sein, auch Fußballspieler in einer Nationalelf. Manch Außenstehender wäre wohl schon zufrieden, überhaupt Teil von ihr zu sein! Doch die bloße Mitgliedschaft reicht nicht als Selbstwert-Versicherung. Dabei sein ist nicht alles. Als Teammitglied will man wichtig sein, bedeutsam für das Team und das gemeinsame Ziel.

Jogi Löw versteht die menschliche Psyche: Es geht nicht darum, ob ein Teammitglied de facto eine für das Team wichtige Aufgabe hat, sondern, sagt Löw: „Ich muss es als Trainer schaffen, jedem Spieler irgendwie das Gefühl zu geben …“ Jedem Spieler! Alle in der Mannschaft sind wichtig. Und: ich muss jedem.. das Gefühl geben! Das Gefühl der Zughörigkeit („ er ist dabei“), der Bedeutung („er hat ’ne Aufgabe“, „er spielt ’ne wichtige Rolle“) ist entscheidend, nicht eine tatsächliche objektive Bedeutung. Löw weiß: Der Erfolg ist eine Mannschaftsleistung, bei dem auch die zählen, die auf der Reservebank sitzen und sich bedeutend fühlen. Weil sie den Teamgeist mitprägen.

  1. Sozialkompetenz. Löw will an die Teammitglieder appellieren: „Spieler, die ihr eigenes Ego einfach auch manchmal ein bisschen zurücknehmen.“

Wenn sich Mitglieder in Vorständen und der Geschäftsleitung als Spieler sähen (eine gerade von Männern gerne gewählte Metapher), könnten sie Löws Satz eins zu eins auf ihr eigenes Team übertragen.

  1. Den Blick fürs Ganze wahren. Eng verbunden mit der Sozialkompetenz ist der Wunsch, die Spieler mögen das große Ganze im Blick behalten. Das ist essentiell! Wie oft verlieren sich Teams auf Nebenkriegsschauplätzen, in persönlichen Fehden und verqueren Konflikten, weil „das große Ganze“ aus dem Fokus geraten ist und sie sich in selbstbezogenem Hickhack verlieren?

In seiner Verschränkung von Sozialkompetenz und Gesamtschau ist Löw entwaffnend ehrlich: Es geht bei Hochleistungsteams – egal ob Nationalelf oder Unternehmensvorstand – nicht um Sozialkompetenz „per se“, sondern sie ist Mittel zum Zweck, um erfolgreich zu sein. Für das Spiel, die WM zu gewinnen, besser zu sein als die Mitbewerber oder schlicht über sich hinaus zu wachsen, ist es eine wesentliche Aufgabe des Teamcoachs, das große Ganze (wieder) ins Zentrum zu rücken und den eigentlichen Sinn des Miteinanders präsent zu halten.

Jogi Löw hat in wenigen, schlichten Sätzen morgens im Deutschlandfunk quasi nebenbei zusammengefasst, was in der Managementliteratur Bücherwände füllt.

Mein Tipp: Falls Sie Ihr Team zur Höchstleistung bringen wollen, probieren Sie die Jogi-Löw-Methode.

Mehr zu Teams: „Die Acht Geheimnisse erfolgreicher Teams“

Statement von Jogi Löw zum Teambuilding:

 

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Netzwerken – richtig wichtig für Frauen und 3 Tipps

In der Serie „Bad Banks“, Folge 2, etwa bei Minute 30 sagt Jana zu Tao, die sich über bestimmte Informationen ausschweigt: „…Check mal meinen Lebenslauf: Ich habe auch nichts geschenkt bekommen. Aber es geht halt nicht: Wir sind Frauen – und Frauen arbeiten nicht zusammen, die bilden keine Clubs, die gehen auch nicht zusammen in den Puff, wir tun lieber so, als würden wir uns gegenseitig hassen und machen uns gegenseitig kaputt“. Was als Topos im Mainstream angekommen ist, hat Claudia Tödtmann in ihrem Blog auf der Internetseite der Wirtschaftswoche genauso treffend, aber in sachlicher Form formuliert: entscheidende Fähigkeiten auf dem Karriereweg sind Netzwerken und Allianzen schmieden. Damit tun sich Frauen schwer. Es fühlt sich so unredlich an. Gezielt Netzwerke zur Beförderung für den beruflichen Erfolg zu knüpfen, das ist für viele immer noch unlauter. Während Männer oft mehrere Stunden täglich ihr Netzwerk pflegen und aktiv ausbauen, um sich zu informieren und Synergien zu schaffen, sind Frauen an dieser Stelle immer noch zurückhaltend und bescheiden. Dabei zeigt die Erfahrung aller, die es bis nach oben geschafft haben: Netzwerken, sich zeigen und aktiv auf Leute zugehen, Informationen und Gefälligkeiten austauschen, das sind, neben Sachkenntnis, Leistung und Kompetenz die wichtigsten Helferlein auf dem Treppchen nach oben.

Und eines müssen wir Frauen unbedingt noch besser begreifen und vorantreiben: Dass es uns alle weiterbringt, wenn wir uns nicht als Konkurrenz betrachten und uns gegenseitig Steine in den Weg legen,  sondern wir gut daran tun, uns, so wie die Männer es auch machen, gegenseitig auf dem Weg nach oben zu unterstützen.

Die drei Tipps von Claudia Tödtmann (auf Plattformen präsent sein, Hilfe anbieten, Geduld aufwenden) seien hier ergänzt um Folgende – schreiben Sie sich am besten gleich Ihre Antworten auf:

  1. Mit welchen drei Menschen in Ihrem beruflichen Umfeld, die für Ihr Weiterkommen wichtig sein könnten, werden Sie sich in den nächsten drei Wochen gezielt zum Mittagessen verabreden?
  2. Welche Veranstaltung mit Netzwerkcharakter werden Sie in den nächsten vier Wochen besuchen?
  3. Mit welcher Frau möchten Sie eine strategische Allianz bilden? Sprechen Sie sie darauf an.

Und übrigens: Ein wenig später in der Folge 2 von „Bad Banks“ (zu sehen auf der ZDF Mediathek bis Ende August), da arbeitet Tao dann mit Jana zusammen. Einfach mal ausprobieren (es muss ja nicht bei der „Global Invest“ sein…).

Zum Artikel „Netzwerken ist auch Arbeit“ von Claudia Tödtmann (WiWo, 25.04.2018)

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